Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

31.08.2010 von Erich Bolinius

Der Kiebitz bleibt auf der Strecke

Erich Bolinius

FDP-Fraktionsvorsitzender

 

Emden, den 31.8.2010

 

Herrn

Klaus Rettig

Danziger Straße 11

26725 Emden

 

Moin, lieber Herr Rettig,

in der Ostfriesen Zeitung vom 30.8.2010 wird von Fritz Harders berichtet, dass Sie

einen "erschreckenden Rückgang der Kiebitze" festgestellt haben. Weiter heißt es, dass die

Gründe für den allgemeinen Rückgang der Kiebitze nach Ansicht von Naturschützern im Verlust geeigneter Lebensräume und in der intensiv betriebenen Landwirtschaft liegen.

 

In dem „Brackloschen Anwass“ westlich des Petkumer Sieles brüteten früher sehr, sehr viele Kiebitze. In meinem Buch „Petkum“ aus dem Jahr 1993 haben Sie mir Zahlen über den damaligen Vogelbestand im Petkumer Außendeichsbereich zur Verfügung gestellt. Sie berichten von 1.900 Kiebitzen, die sich damals dort aufhielten.

Vor einigen Jahren sind mit Zustimmung der Naturschutzverbände im „Bracklos Anwass“ die Siele entfernt worden. Das Gebiet wird nun häufig überspült, Schlick sammelt sich an. In dem großen Bereich können keine Vögel mehr brüten, auch nicht der Kiebitz.

Ich habe diesen Eingriff immer als einen sehr großen Fehler angesehen. Anfangs haben Sie, wenn ich mich recht erinnere, diesen Eingriff begrüßt. Stehen Sie heute auch noch ohne „Wenn und aber“ dazu?

Gern hätte ich Ihre Meinung gewusst.

Kostenbeitrag für die letzten Hefte lege ich bei.

   

Mit hartelk Gröten ut Petkum

Erich Bolinius

     


                 

30.08.2010 Ostfriesen-Zeitung – online

Der Kiebitz bleibt auf der Strecke

 

Das Projekt "Gelegeschutz" des Naturschutzbundes und die Bemühungen der Naturschutzstation Lübbertsfehn helfen dem Bodenbrüter. In Frankreich wird der Wiesenvogel immer noch bejagt.

Von Fritz Harders

Ostfriesland - Einen "erschreckenden Rückgang der Kiebitze" hat der anerkannte Emder Vogelkundler Klaus Rettig gemeldet. Während seiner regelmäßigen Zählungen sei ihm das jetzt an den traditionellen Sammelplätzen der Vögel im Bereich des Großen und Kleinen Meeres aufgefallen. Dort zählte er am 21. August lediglich 250 dieser charakteristischen Wiesenvögel. Genau dort habe er ebenfalls am 21. August 2007 noch 4000 und am 24. August 2006 sogar 5300 Kiebitze als Durchzügler erfasst. Klaus Rettig: "Wenn das kein deutliches Signal für den Rückgang des Kiebitz ist?"

Michael Steven, Geschäftsführer des Naturschutzbundes (Nabu) Ostfriesland, hat keine Zahlen über die Bestandsentwicklung. Er bestätigt aber, dass der Kiebitz, der einmal ein Allerweltsvogel war, "in weiten Teilen Deutschlands selten geworden ist". Nicht umsonst sei er 2001 auf die Rote Liste gekommen. Es sei tatsächlich schlecht bestellt um den Kiebitz, obgleich er nicht so hohe Anforderungen an seinen Lebensraum stelle wie zum Beispiel die Uferschnepfe, die ebenfalls immer mehr im Bestand abnehme.

Wie Michael Steven sagte, gibt es aber auch Teilerfolge. So greife zum Beispiel das Nabu-Projekt "Gelegeschutz" am Großen Meer. Dabei würden die Gelege der Bodenbrüter mit kleinen Stöcken kenntlich gemacht. Die Landwirte würden so die markierten Stellen im Frühjahr beim Schleppen und Walzen umfahren. Damit habe man die Verlustrate im vergangenen Jahr um immerhin 25 Prozent senken können.

Der Biologe Uwe Mosig von der Naturschutzstation Lübbertsfehn sieht, dass der Kiebitz als Brutvogel in der Flumm-Fehntjer-Tief-Niederung allmählich wieder häufiger vorkomme und die Bestände sich auf hohem Niveau einpendelten. Die Pflegemaßnahmen in dem Naturschutzgebiet, das von der Station in Lübbertsfehn betreut wird, zeigten Wirkung. Mehr als den Kiebitz hat Uwe Mosig eine andere Regenpfeiferart im Blick: "Die Uferschnepfe macht uns Sorgen."

Gründe für den allgemeinen Rückgang der Kiebitze liegen nach Ansicht von Naturschützern im Verlust geeigneter Lebensräume und in der intensiv betriebenen Landwirtschaft.

Der Vogelkundler Klaus Rettig sieht aber noch eine weitere Ursache: die Jagd. Allein in Frankreich würden nach eigenen Angeben der Jagdverbände dort jährlich bis zu 450 000 Kiebitze von Jägern geschossen. Das müsse sich auf die Bestände auswirken.