Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

14.02.2017 von Freddy Narewski

Fällung von Bäumen in Widdelswehr

FDP-Fraktion

Erich Bolinius

Fraktionsvorsitzender

Emden, den 14.2.2017

 

An den

Vorstand der Stadt Emden

 

Fällung von Bäumen an der Feldstraße in Widdelswehr und Überschlickung von „Bracklos Anwass“

 

Sehr geehrte Herren,

ich hatte festgestellt, dass im Bereich der Feldstraße in Widdelswehr viele Bäume gefällt wurden (siehe Fotos)
feldweg4 feldweg3
Auch wurde ich schriftlich von einem Bürger nach dem Sinn der Abholzung gefragt und von anderen Bürgern angesprochen, ob die Fällung rechtens sei. Ich habe Sie  angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten. Diese Stellungnahme ist gestern bei mir eingegangen (siehe untenstehend). Die Maßnahmen erscheinen mir plausibel. Mögen, wie in meiner Kinder- und Jugendzeit, dort wieder mehr Kiebitze und andere Wiesenvögel brüten.

 

Für mich ist aber nicht nachvollziehbar, und das habe ich sehr oft schon gesagt und geschrieben, dass das in ein paar hundert Meter gelegene sogenannte „Bracklos Anwass“ westlich der Petkumer Muhde nach Entfernen der Sieltore in dem Rundumdeich fast völlig überschlickt ist (siehe 2 Fotos)

feldweg2 feldweg+wasser   
In diesem Bereich brüteten in meiner Kinder- und Jugendzeit hunderte von Wiesenvögel, insbesondere Kiebitze. Das Deichvorland – „Bracklos Anwass“ – wurde in den 1920er Jahren von dem Landwirt Bracklo eingedeicht (kleine Sommerdeiche wurden errichtet, versehen mit einem Siel). Im Jahr 1993 hat der Emder Naturkundler Klaus Rettig dort noch 1.900 Kiebitze gezählt.*)

Eine für mich und für Petkumer plausible Erklärung für diese Überspülungsmaßnahme, habe ich bisher nicht gehört. Es halten sich, und das kann ich als Anwohner sehr gut beobachten, nur ab zu ein paar Rastvögel dort auf. Die meistern halten sich direkt an der Ems auf.

 

Außerdem verstehe ich nicht, dass die Verwaltung die Abholzung und den Grund nicht in einem Ausschuss oder in anderer Form öffentlich gemacht hat, wo doch sonst jede Baumfällung in der EZ vom Presseamt der Stadt angekündigt wird.

Ich bitte Sie, diese Punkte (Abholzung Feldstraße und Überschlickung Bracklos Anwass) in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt auf die TO zu setzen, damit auch die Öffentlichkeit davon ausführlich erfährt.

Mit hartelk Gröten

Erich Bolinius

 

*) http://fdp-emden.de/?vw=news&eid=2221

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Antwort der Stadt

 

 Von: Dinkela, Eduard
Gesendet: Montag, 13. Februar 2017 14:46
An: Lendzion, Daje
Cc: Wegmann, Thomas; Fresemann, Hartmut; Kinzel, Rainer
Betreff: WG: [vorstand] Antw.: Feldstraße

 

Moin Herr Bolinius,

 

Ihre Anfrage beantworte ich wie folgt:

 

Bei der durchgeführten Fällung handelt es sich um die Aufwertung einer Kompensation für den Wiesenvogelschutz im Rahmen der aktuellen BImSch-Genehmigung zu einer Windmühle im Bereich Emden Ost!

 

Anlagebedingt geht Lebensraum für Brutvögel des Offenlandes verloren. Hiervon sind insbesondere zwei Brutpaare vom Kiebitz betroffen. Zielsetzung: Produktionsintegrierte Kompensation - Extensivierung von landwirtschaftlicher Fläche (Intensivgrünland; ca. 2,5 ha), um Lebensraum für Brutvögel des Offenlandes, insbesondere für den Kiebitz, zu schaffen.

 

Begründung: Maßnahmen zum Ausgleich und zur Förderung der Wiesenvogelfauna können durch Verbesserung der Lebensraumbedingungen und des Bruterfolges erfolgen. Für den Kiebitz und andere Wiesenvögel erfolgt dies durch Maßnahmen zur Extensivierung, insbesondere Reglementierungen hinsichtlich des Mahdzeitpunktes auf Grünlandstandorten sowie durch die Anlage von Blänken. Durch eine Herausnahme der Fläche aus der intensiven Nutzung wird auch eine Verbesserung der Bodenstruktur und -funktion erreicht.

 

Zur Vorbereitung der Fläche sind der vorhandene Gehölzbestand aus überwiegend Weiden und Pappeln sowie alle Gebüsche restlos zu entfernen, um eine offene Fläche zu erhalten. Der vorhandene Graben soll angestaut werden, damit sich ein feuchtes Grünland entwickeln kann. Die vorhandene Blänke sollte erweitert werden und ggf. noch weitere flache Blänken angelegt werden, die periodisch flache Wasserflächen aufweisen (Tiefe ca. 40 cm, Breite ca. 15-20 cm, amorph ausgeformt mit unregelmäßiger Uferkante).

 

Überschüssiger Boden ist in Absprache mit der UNB auf der Fläche aufzubringen oder abzufahren.

Zusätzlich wird durch teilweise extensive Nutzung einer südlich anschließenden Flächeweiterer Lebensraum für den Kiebitz aufgewertet, so dass der erforderliche produktionsintegrierte Kompensationsbedarf von 2,5 ha erreicht wird.

 

Gruß


Eduard Dinkela    
Dipl. Kfm (FH), Dipl. Forstw., FAss

Pressesprecher der Stadt Emden