Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

30.03.2017 von Freddy Narewski

Vom Taubenschlag zum Hoffnungsträger

POLITIK Am Tag nach der Kaufhallen-Entscheidung zeigen sich die Emder Ratsfraktionen erleichtert
ENTWICKLUNGSKONZEPT FÜR EHEMALIGE KAUFHALLE
Über alle Parteiengrenzen hinweg wird der Entwurf des Projektentwicklers List Retai  Development gelobt. Noch vor einem Jahr hatten die Politiker über den Abriss des Gebäudes debattiert.
VON GORDON PÄSCHEL, Ostfriesenzeitung, Donnerstag, den 30. März 2017
EMDEN - Am Tag nachdem sich der Emder Rat für einen der drei Kaufhallen-Investoren ausgesprochen hatte, war die Erleichterung in den Fraktionen groß. Noch im vergangenen Jahr war offen über einen Abriss des leerstehenden Gebäudes nachgedacht und debattiert worden. Jetzt begrüßen die Vertreter aller Parteien einmütig die Perspektive in der Innenstadt.
Überzeugend beim vorgelegten Konzept des Oldenburger Projektentwicklers List Retail Development sei unter anderem, dass eine zentrale Forderung des Einzelhandels erfüllt wird, sagt Maria Winter, Fraktionsvorsitzende der SPD. Sie verweist auf den Bedarf an großen Ladenflächen. Den Plänen von List attestierte sie auch deswegen, „nachhaltig“ für Emden zu sein. Jochen Eichhorn von der Wählergruppe GFE ist froh, dass mit dem Beschluss „der Verfall gestoppt“ werden kann. Die einstige Kaufhalle sei zu einem „Taubenschlag“ verkommen. „Jetzt kehrt endlich der Einzelhandel zurück“, so Eichhorn. Mit Blick auf den straffen Zeitplan, den der Investor am Dienstagabend vorgestellt hat, sieht er die Fraktionen und die Verwaltung in der Pflicht. Fehlende Genehmigungen und Beschlüsse dürften die Eröffnung, die bereits Ende 2019 kommen könnte, nicht ausbremsen: „Da müssen wir flexibel sein“, fordert Eichhorn.
Helmut Bongartz, CDU, erinnert daran, dass die Entwicklung des Kaufhallen-Areals ohne „zwei mutige Frauen“ nicht denkbar gewesen wäre: Livia Maria Andreas und Luise Fauerbach-Geiken vom Planungsbüro Ländlicher Raum in Emden. Sie hatten sich im vergangenen Jahr dafür eingesetzt, das Gebäude zu bewahren, als die Verwaltung Pläne für einen Abriss erarbeiten ließ. „Ohne diese beiden wäre die Kaufhalle schon weg“, sagt Bongartz.
Nach dem Vorstoß von Andreas und Fauerbach-Geiken sei das Thema aber auch politisch wieder vorangebracht worden, steht für den Vorsitzenden von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Bernd Renken, fest. Er sagt: „Wenn sich der Rat nicht der Sache angenommen hätte, wären wir nicht so weit gekommen.“ Es sei richtig gewesen, einen Abrissbeschluss zu fassen, um damit den Handlungsdruck auf die Investoren zu erhöhen. Renken erinnert daran, dass erst nach dieser Entscheidung, die später um eine mehrmonatige Gnadenfrist ergänzt worden war, drei Investoren konkretere Projektpläne bei der Stadt einreichten.
Sollte das jetzige Konzept von List Retail Development wider Erwarten scheitern, könne die Stadt auf die beiden anderen Bewerber zugehen. Ein entsprechender Passus sei laut  Renken auf politische Initiative nachträglich in die Beschlussvorlage aufgenommen worden.
Ausschlaggebend für die Zustimmung der FDP zum List-Entwurf sei neben den optischen und konzeptionellen Argumenten auch der Kaufpreis gewesen, sagt Erich Bolinius. Das Angebot von List sei bei Weitem das höchste gewesen. Umso erfreuter sei er, dass die gesamten Pläne überzeugen konnten. Seine größte Sorge sei jetzt, dass einer der beiden unterlegenen Bieter Einspruch gegen die Vergabe einlegen könnte. Wie berichtet, waren die Investorenpläne noch vor der Abstimmung im Rat an die Öffentlichkeit gedrungen.
Bei der Fraktion DIE LINKE hofft deswegen auch Uwe Frerichs, dass schnell Fakten geschaffen werden und der städtebauliche Vertrag unterzeichnet wird. „Wir sollten zügig anfangen und das Projekt zügig zu Ende bringen“, sagte er.

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Wenn alles so umgesetzt wird wie geplant, wird die Straße Agterum deutlich aufgewertet. Der Teil des Kaufhallen-Gebäudes,in dem sich die Warenanlieferung befand, wird abgebrochen. Dort entsteht ein viergeschossiger Büro- und Dienstleistungskomplex, der sich über den kleinen Kaufhallen-Parkplatz bis an die Pottgießerstraße erstrecken wird (Bildmitte). Voraussichtlich zieht dort auch ein Fitnesscenter ein. Die Durchfahrt zum Innenhof des Kaufhallen-Gebäudes wird verlegt. Zwischen Pottgießerstraße und Johann-Wessels-Straße plant List Develop das viergeschossige Parkhaus mit etwa 150 Einstellplätzen (rechts). „Das Gebäude wird nicht wie ein Parkhaus, sondern wie ein Geschäftshaus aussehen“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter des Projektentwicklers, Michael Garstka, bei der  Vorstellung. Im Erdgeschoss sind an der Pottgießerstraße zwei Läden vorgesehen. Durch Arkaden soll der Blick von der Pottgießerstraße auf die Kunsthalle frei bleiben.
BILDER: LIST DEVELOP / ARCHITEKTURBÜRO BPB