Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

01.04.2017 von Freddy Narewski

Ratlosigkeit am Beckenrand

ENTSCHEIDUNG Schwimmstätte bleibt wegen Sicherheitsmängeln vorerst zu

Von GORDON PÄSCHEL

Am Freitag trafen sich die Mitglieder des Sportausschusses vor Ort mit einem Gutachter. Sie blieben nicht unter sich: Rund 100 Protestler kamen dazu.

EMDEN - Es sollte ein Ortstermin für eine kleine Gruppe werden. Stattdessen versammelten sich am Freitag weit mehr als 100 Politiker, Protestler und Mitarbeiter der Stadt im Freibad Borssum. Sie schauten sich den Zustand der Schwimmstätte an, die in dieser Saison wegen Sicherheitsmängeln endgültig geschlossen bleibt. An den Fragen, wie es dazu kommen konnte, und vor allem, wie es jetzt weitergehen soll, entzündeten sich immer wieder Diskussionen (siehe dazu auch Artikel unten).
Eingeladen zu der Besichtigung waren ursprünglich nur die Mitglieder des Sportausschusses des Emder Rates. Sie sollten sich ein Bild zu den Schäden machen, die ihnen in der vergangenen Woche aus einem Gutachten mitgeteilt worden waren. Das Gutachten stammt von Rudolf Dejakum. Er hatte den Zustand der Becken im Auftrag der Wirtschaftsbetriebe Emden untersucht und war am Freitag ebenfalls vor Ort. Sein Urteil: Es wäre nahezu „böswillig“, das Bad in diesem Zustand für Besucher freizugeben. „Mehr als 30 Prozent aller Beckenfliesen“ seien lose, stellte er klar. Und die Probleme unter der Farbe des Beckenbodens seien noch größer.Die von Politikern und Protestlern gleichermaßen geäußerte Hoffnung, die Schäden kurzfristig ausbessern zu können, teilt Dejakum nicht: „Es gibt nur ganz oder gar nicht.“ Nur zu flicken, sei nicht vertretbar.
Die Politiker fügten sich dieser Einschätzung nur widerwillig.Nach einer Besprechung hinter verschlossenen Türen billigten sie laut der  Ausschussvorsitzenden Andrea Risius (CDU) zwar schließlich einstimmig, dass das Bad in diesem Jahr geschlossen bleibt. In der darauffolgenden Saison aber soll es wieder geöffnet werden – „dann auch zukunftssicher“, wie sie hinzufügte. Zunächst solle nun so schnell wie möglich überlegt werden, wie der Sanierungsstau aufgelöstwerden kann. „Wir müssen verschiedene Szenarien durchrechnen“, sagte Risius.
Wie die Sanierung und der Erhalt des Bades finanziert werden, ist offen. Laut Gutachten sind allein für die Sanierung 600 000 Euro fällig. Den Betrieb hatte die Stadt bislang jährlich mit 250 000 Euro bezuschusst, wie Kämmerer Horst Jahnke in der Sportausschusssitzung am Dienstag mitgeteilt hatte (die OZ berichtete).
Um künftig Kosten zu sparen, brachte er am Freitag eine mögliche Option ins Spiel: Nur eines der beiden Becken erhalten. „Es ist nur eine Überlegung“, so Jahnke. Der Kämmerer setzt auf Diplomatie.  Gemeinsam mit dem Stadtsportbund, der Stadtteilinitiative Sibo, der Stadt, den Wirtschaftsbetrieben und dem Rat solle eine „langfristige Strategie“ entwickelt werden, wie er sagte.

                                                                                                   freibad 2ozt
freibad1 oz1
Der Startblock kann frühestens im Jahr 2018 wieder benutzt
werden





Der Geschäftsführer Manfred Ackermann (links), wurde umringt von Borssumern, die ihr Bad behalten wollen



 "Es ist bewusst zerstört worden“                                                              

 

REAKTION Anwohner und Politiker erheben Vorwürfe

EMDEN / GO - Manfred Ackermann bekam den geballten Ärger vieler Borssumer zu spüren. „Mir wird immer wieder vorgeworfen, ich würde das Bad schließen wollen“, sagte der Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe, die das Freibad betreiben und das Gutachten zum Zustand der Stätte in Auftrag gegeben hatten. Dabei sei es nicht sein Ziel, beteuerte er im Gespräch mit den Protestlern.
Die Skepsis aber steckt bei einigen tief. Andreas ten Hove sprach aus, was mancher in Borssum denkt: „Es ist bewusst zerstört worden“, sagt er. Für ihn steht fest, dass die Stadt und die Wirtschaftsbetriebe das Bad im Winter haben verkommen lassen. Er glaubt, dass so der Druck erhöht werden soll, um am Ende Kosten zu sparen.
Erwin Hoofdmann, der für die FDP im Emder Rat sitzt und am Freitag mit dem
Sportausschuss durch das verwitterte Becken ging, deutete an, dass auch er Kalkül vermutet. „Ich sage es mal so: Ich hätte den Gutachter auch nicht im September geholt, wenn ich das Bad dichtmachen will.“ Hoofdmann spielte damit auf zweierlei an: Die Nähe zur Kommunalwahl, die mit Blick auf die unpopuläre Entscheidung bewusst gemieden worden sei. Und die Tatsache, dass der Zustand des Bades über die Wintermonate zusätzlich gelitten habe.
Wie viele andere wunderte sich auch Matthias Arends (SPD), dass das Wasser nach der letzten Saison abgelassen worden war. Der Frost habe so den Fliesen weiter zusetzen können.