Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

13.04.2017 von Freddy Narewski

Ständiges Blinken von Windkraftanlagen in der Dunkelheit

FDP-Fraktion

Erich Bolinius

Fraktionsvorsitzender

 

Emden, den 5.4.2017

 

An den

Vorstand der Stadt Emden

 

Windkraftanlagen – Flugzeug in Sicht – Blinklichter an

 

Sehr geehrte Herren,

Bürger, und ich selbst auch, ärgern sich nicht nur über Lärm, Schattenschlag usw. von Windkraftanlagen, sondern auch darüber, dass diese bei Dunkelheit ständig blinken.

In Schleswig-Holstein (siehe untenstehenden Bericht) wird der Nachhimmel Schritt für Schritt wieder in den Windparks dunkler, weil die Windräder in der Nacht nur dann blinken, wenn sich tatsächlich ein Luftfahrzeug nähert.

Frage: Ist so etwas auch in Emden möglich, vor allem bei den zurzeit in Bau befindlichen Windkraftanlagen?

Wenn nicht, bitte ich, bei der Niedersächsischen Landesregierung einen entsprechenden Vorstoß zu starten.

Mit hartelk Gröten

Erich Bolinius

 

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Windkraftanlagen:
Flugzeug in Sicht, Blinklichter an


[14.3.2017] In Schleswig-Holstein sollen Windräder künftig in der Nacht nur noch dann blinken,
wenn sich tatsächlich ein Luftfahrzeug nähert.

windkraftanlage

In Schleswig-Holstein kommt der Ausbau der bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung von Windkraftanlagen voran. Energiewendeminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), der sich vergangene Woche einen Eindruck vom neuen System in dem Windpark Langenhorn-Bordelum verschafft hat, sagte: „Das Anreizsystem des Landes zeigt Erfolge: Es wird bereits ein Windpark in Nordfriesland – als erster Windpark in Deutschland – damit betrieben, weitere Vorhaben in Dithmarschen und im Kreis Schleswig-Flensburg sind konkret in Vorbereitung. Damit wird Schleswig-Holsteins Nachthimmel Schritt für Schritt wieder dunkler.“ Ein Ende des nächtlichen Dauerblinkens von Windanlagen soll vor allem die Anwohner entlasten.
Der Hintergrund: Windkraftanlagen müssen aus Gründen der Flugsicherheit nachts gekennzeichnet werden. Wie das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume meldet, ist dafür seit Ende 2015 der Einsatz einer bedarfsgesteuerten Hinderniskennzeichnung möglich. Windkraftanlagen schalten hierbei ihre Lichter in der Nacht erst ein, wenn sich Luftfahrzeuge nähern. Um eine schnellere Einführung der neuen Systeme zu bewirken, hat das Ministerium im Jahr 2016 ein Anreizsystem geschaffen. Neue Windkraftanlagen können demnach bei der Verwendung einer bedarfsgerechten Befeuerung einen Abschlag auf die Ersatzzahlungen für die Eingriffe in das Landschaftsbild erhalten. Auch Altanlagen können berücksichtigt werden, heißt es in einer aktuellen Meldung. Derzeit arbeiteten die Landesregierung und die zuständigen Behörden daran, das Verfahren zu vereinfachen und zu verschlanken. Habeck: „Unser Ziel ist, dass nachts möglichst keine Windkraftanlagen dauerhaft blinken. Das ist auch für die Akzeptanz der Energiewende wichtig.“ (me)

www.melur.schleswig-holstein.de


Antwortschreiben der Stadt Emden
Fachbereich Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung
Herr Kinzel
04921 87-1388
04921 87-101388
kinzel@emden.de
12.04.2017



An
FDP-Fraktion
Herrn Bolinius
Zum Bind 25
26725 Emden

Blinklichter an Windrädern
Ihre Anfrage vom 05.04.2017
Sehr geehrter Herr Bolinius,

zu Ihrer o. g. Anfrage nehme ich wie folgt Stellung:

Gemäß § 14 i.V.m. § 12 (4) des Luftverkehrsgesetzes (LuftVG) müssen Windenergieanlagen ab einer Gesamthöhe von 100 m zum Schutz des nächtlichen Luftverkehrs mit einer Nachtkennzeichnung ausgestattet sein.
In der Regel ist dieses das rote Wechselfeuer auf der Anlagengondel, eventuell kombiniert mit roten Hindernisfeuern entlang des Turmes.
Anstelle dieser v. g. generellen Nachtkennzeichnung, die in der Tat nahezu fast immer „umsonst“ betrieben wird, weil meistens nachts keine Luftfahrzeuge im Bereich der Anlagen fliegen, gibt es seit einigen Jahren Überlegungen, die nächtliche Luftkennzeichnung bedarfsgerecht zu steuern, d. h. die Nachtkennzeichnung nur dann in Betrieb zu nehmen, wenn sich tatsächliche Luftfahrzeuge in der Nähe der Windenergieanlagen befinden.
Derzeit gibt diesbezüglich zwei technische Systeme:
1. Aktive Radarsysteme
Beim Aktivradar werden von Radarantennen im Windpark elektromagnetische Impulse erzeugt, die an Flugobjekten reflektiert und von Sensoren erfasst werden. Aus den empfangenen Echos wird die Flugroute des Luftfahrzeugs errechnet und im Fall einer kritischen Annäherung die Befeuerung im Windpark eingeschaltet. Dieses System wird im Windpark Langenhorn-Bordelum in Schleswig-Holstein angewandt.
2. Passive Radarsysteme
Ein Passivradar wertet hingegen den Dopplereffekt und die Reflexionen kontinuierlich bestehender elektromagnetischer Wellen an Hindernissen wie Windenergieanlagen aus. Hier bieten sich bereits vorhandene Funksignale für Rundfunk, Mobilfunk oder ähnliches an. Der Vorteil dieses Systems ist es, dass es selbst keine Strahlung aussendet. Dieses System wird im schleswig-holsteinischen Bürgerwindpark Reußenköge getestet.
Neben den vorgenannten Systemen wäre darüber hinaus noch die Variante des sogenannten Sekundärradars möglich. Hier empfängt ein im Windpark installierter Radarsensor die Transpondersignale, die von Flugzeugen und Hubschraubern ausgesendet werden. Dieses System ist in Deutschland allerdings aktuell nicht realisierbar, da im deutschen Luftraum derzeit noch nicht für alle Flugobjekte eine Transponderpflicht bzw. eine Transponder-Einschaltpflicht besteht. Es besteht somit die Gefahr, dass nicht alle Objekte erfasst werden.
Die oben beschriebenen Projekte in einigen Windparks in Schleswig-Holstein sind als Pilot- und Testprojekte der DFS (Deutsche Flugsicherung) anzusehen.
Unter Umständen wird ihre Anwendung in bestimmten Windparks aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich sein. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass diese Systeme für jeden Windpark einzeln zu konfigurieren sind.
Eine grundsätzliche gesetzliche Regelung zur Ausrüstung von neuen Windenergieanlagen mit Abschaltvorrichtungen bzw. der entsprechenden Nachrüstung von Bestandsanlagen besteht derzeit in Niedersachsen nicht.
Eine solche Regelung zur verpflichtenden bedarfsgerechten Nachtbefeuerung gibt es bundesweit zurzeit nur in Mecklenburg-Vorpommern. Dort sind gemäß § 46 (2) der Landesbauordnung (LBauO M-V) seit dem 01.01.2017 Windparks, für die eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen ist, mit einer bedarfsgerechten Nachtbefeuerung zu versehen.
Bezüglich der in der Stadt Emden betriebenen Windparks verhält es sich so, dass deren immissionsrechtliche Betriebsgenehmigungen keine bedarfsgerechte Nachtkennzeichnungen vorsehen.
Die Stadt Emden befürwortet jedoch ausdrücklich derartige Systeme und möchte auch nicht den Eindruck erwecken, dass sie sich dem gewünschten Vorstoß an die Landesregierung verweigern würde.
Hier ist aber zu bedenken, dass anstelle der ausführenden Verwaltungsexekutive derartige Initiativanträge für eine landesweite Regelung besser und zielführender über die Schiene der Politik vorangebracht werden sollten.
Sobald einerseits landesrechtliche Regelungen in Niedersachsen eingeführt worden sind und andererseits die gegenwärtig in Schleswig-Holstein laufenden Pilotprojekte ihre allgemeinen luftfahrtrechtlichen Zulassungen erhalten haben, ist es immissionsrechtlich möglich, auch gegenüber schon in Betrieb befindlichen Windparks nachträglich eine bedarfsgerechte Nachtbefeuerung anzuordnen.

Mit freundlichem Gruß

i. A. gez.
Kinzel
Fachbereichsleiter