Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

15.06.2017 von Freddy Narewski

Gänseproblem am "Erich-Bolinius-Viertel"

STADTENTWICKLUNG Entwurf für neues Baugebiet in Petkum liegt vor / Gruppe Wildtiere muss umgesiedelt werden

VON GORDON PÄSCHEL
Zwischen der Straße Zum Bind und dem Sieltief sollen rund 50 Grundstücke entstehen. Die Verwaltung hat einen Bebauungsplan erarbeitet

PETKUM - In Petkum werden die Pläne für die Erschließung eines neuen Baugebietes konkret. Spätestens ab Mitte des Jahres 2018 sollen dort 50 Grundstücke bebaut werden können. Der Clou: Die Meisten liegen unmittelbar am Wasser. Die Sache hat allerdings einen tierischen
Haken. Dort, wo die Häuser entstehen sollen, wohnt schon jemand.
Auf dem brachliegenden Feld hat sich eine stattliche Wildganspopulation ausgebreitet. Der Investor, der die herrenlosen Vögel mit dem 4,7 Hektar großen Grundstück erwarb, sucht nun nach einer Lösung. Denn die Alternative ist offenbar der Brattopf.
Nach Angaben des Projektentwicklers und Baugebietsvermarkters Walter Mielke hat sich ein Landwirt bereit erklärt, die Gänse zu nehmen – allerdings würden sie dort aller Wahrscheinlichkeit nach geschlachtet werden. Nun hofft Mielke, dass sich jemand meldet, um den bislang frei lebenden Tieren eine artgerechte Zukunft zu ermöglichen. „Es wäre schön, wenn sich jemand findet“, sagte der Makler der OZ.
Derweil hat die Stadtverwaltung in einem Fachausschuss des Emder Rates erstmals Entwürfe für die Bebauung des neuen Wohngebiets präsentiert. Offiziell heißt das geplante Baugebiet Zum Bind – benannt nach einer angrenzenden Straße. CDU-Ratsherr Gerold Verlee brachte während der Sitzung
eine weitere Bezeichnung für den Alltagsgebrauch ins Spiel: Er sprach augenzwinkernd vom „Erich-Bolinius- Viertel“. Der gleichnamige FDP-Fraktionsvorsitzende setzt sich seit Jahren vehement für neue Bauplätze in Petkum ein.
Wie Stadtbaurat Andreas Docter sagte, könnte das neue Viertel „spätestens ab Mitte 2018“ erschlossen werden. Vorgesehen sind Grundstücke mit einer Fläche zwischen 500 bis zu 1000 Quadratmetern. Dank eines gut acht Meter breiten neuen Gewässers haben nahezu alle direkten Zugang zum Petkumer Sieltief und damit zum Ems- Seiten-Kanal.
Das Wohngebiet soll über drei Stichstraßen erreicht werden können. Laut Vermarkter Mielke sei die Nachfrage von Interessenten hoch.
Der Entwurf für den Bebauungsplan, der jetzt ausgelegt wird, schließt allzu große architektonische Experimente aus, erläuterte Docter weiter. Schillernde Dachziegel seien verboten, ebenso betont urbane Gebäude. „Wir wollen uns der dörflichen Struktur anpassen“, so Docter: „Es gibt keine Toskana-Häuser“, stellte er klar.
Weil der gesamte Verkehr während der Bauzeit über die Straße Zum Bind rollt, regten Bolinius und Marianne Pohlmann (SPD) an, Folgen für die Anlieger von vornherein zu berücksichtigen. Sie befürchten mögliche Klagen oder Beschwerden.
Grundsätzlich aber begrüßten die Vertreter aller Fraktionen die Entwicklung der Fläche, die in der Vergangenheit landwirtschaftlich genutzt und dann vom Norder Investor „Tell-Bau“ aufgekauft worden war.

Geplantes Baugebiet

petkumneubau
Dass das „Erich-Bolinius- Viertel“ apetkumtb 2018 gebaut werden kann, wird damit immer  wahrscheinlicher. Bleibt noch zu klären, was bis dahin mit den gut 30 Gänsen geschieht. Habbo Wildeboer, Natur-schutzbeauftragter der Stadt, brachte es auf eine einfache Formel:
Es entstehe ein sicherlich idyllisches Wohngebiet, sagte er. „Aber es löst die jetzige Idylle ab.“

gänse petkum
Naturidylle: Die Gänse fühlen sich auf der rund 4,7 Hektar großen Fläche am Petkumer Sieltief
offensichtlich wohl (Ostfriesenzeitung, Donnerstag, 15. Juni 2017)