Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

25.09.2017 von Freddy Narewski

FDP in Emden - Froh und auch fassungslos


Emder Zeitung vom Montag, 25. September 2017, Seite 14

 

Trotz Wiedereinzugs in den Bundestag war der FDP wenig nach Jubeln zumute

Von Gaby Wolf s 0 49 21 / 89 00-415

Emden. Sonntag, 18 Uhr: Die Wahllokale schließen. Und die FDP kämpft immer noch. Gegen den Schnee auf dem Fernsehbildschirm. Im Café Vis-à-Vis am Alten Markt, dem Ort der Wahlparty der Liberalen, will es mit dem Empfang anfangs nicht so recht klappen. Dann kommt das Bild doch noch zustande - pünktlich zur ersten Hochrechnung. Und die sagt: gut zehn Prozent für die FDP. Ein einzelner Arm schießt triumphierend nach oben.

Allen ist in dem Moment klar: Die FDP wird einer der großen Sieger dieses Wahlabends werden und nach vier Jahren Bundestags-Abstinenz wieder in Berlin mitspielen. Doch großer Jubel sieht anders aus: Die rund zehn Liberalen im Café schwanken zwischen Freude und Fassungslosigkeit. Fassungslosigkeit angesichts der über 13 Prozent für die AfD.

„Das drückt die Stimmung”, kommentiert die stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende Hillgriet Eilers ernüchtert. „Wir hatten schon gehofft, drittstärkste Kraft zu werden.” Später wird sie sich angewidert abwenden, als im Fernsehen noch einmal die provokantesten Sprüche von AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel zitiert werden. „Da kriege ich 'ne Krise”, murrt sie.
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Auch der FDP-Vorsitzende Franz Melles mag - bei aller Zufriedenheit über das wohl zweistellige Ergebnis der Liberalen - nicht jubeln. Und das nicht allein wegen der AfD. „Beim letzten Mal sind wir hart bestraft worden, jetzt hat der Wähler entschieden, uns wieder sein Vertrauen zu geben, aber das ist ein Vertrauensvorschuss, den wir auf gar keinen Fall enttäuschen dürfen”, sagt er. „Deswegen sehe ich dieses Ergebnis weniger jubelnd, sondern eher mit Demut.”

Dazu passt auch der allgemeine Purismus an diesem Abend im Wahlparty-Lokal. Keine Parteien-Deko, keine Luftballons. Nicht mal gelbe Blümchen auf den Tischen. Der überwiegende Teil der FDP-Anhänger lehnt relativ entspannt in den Plüschsitzen.

Die Atmosphäre hat ein bisschen was von Konditorei. Ab und zu wird am Cappuccino, Tee, Wasser oder Weißwein genippt. Später wird es Baguettebrot und Eintopf geben (wahlweise Chili-con-Carne oder Käse-Lauch) und dann doch noch ein bisschen mehr Temperament und Heiterkeit - inklusive Szenenapplaus für Spitzenkandidat Christian Lindner, der gerade im Fernsehen den Neuanfang proklamiert. „Dass wir nicht großartig aufgefahren haben, ist auch der Tatsache geschuldet, dass wir in Emden nicht ganz so viele sind - und uns schon der Landtagswahlkampf im Nacken sitzt”, erklärt Eilers. „Heute haben wir zum Beispiel mit dem Plakatieren begonnen.”

Und bei den Mitgliedern sei immerhin wieder ein kleiner Aufwärtstrend zu verzeichnen. „Ohne, dass wir groß geworben haben”, betont Eilers. „Das zeigt mir: Die Leute haben wieder mehr Lust, selbst aktiv zu werden - auch die jüngeren.” Das stimme sie für die Landtagswahl hoffnungsfroh. Das gute Abschneiden auf Bundesebene sei jedenfalls schon mal eine gute Basis, findet Fraktionschef Erich Bolinius. Der stellvertretende Kreisvorsitzende Freddy Narewski formuliert es so: „Wenn wir am 15. Oktober auch hier so sitzen und mit noch ein paar mehr Mitgliedern, sind wir vollauf zufrieden.”