Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
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in der Seehafenstadt Emden

26.01.2018 von Freddy Narewski

Neue Baugebiete in Petkum sorgen für Zündstoff


Ostfriesen Zeitung, Freitag, 26. Januar 2018, Seite 18, Emden


Von Heiko Müller

Stadtentwicklung Bewohner der Straße Zum Bind wehren sich gegen Baustellenverkehr / Sie haben auch andere Bedenken

Die Planungen verfehlten das Ziel, Grundstücke für junge Familien zu schaffen, hieß es bei einer Informationsveranstaltung am Mittwochabend.

Emden - Die Planungen für zwei Baugebiete in Petkum schlagen hohe Wellen. Die Stadt Emden, die Investoren und Projektleiter spürten am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung in Petkum den vollen Gegenwind des Bürgerzorns. Zu der Versammlung hatte FDP-Ratsmitglied Erich Bolinius eingeladen, der selbst Anlieger ist und viele Jahre lang für Bauland in diesem Stadtteil kämpft.

Im Kern ging es um die Frage, wie die schweren Baufahrzeuge das zwischen Petkumer Sieltief und der Straße Zum Bind gelegene Baugebiet erreichen können. Ursprünglich sollte eine gesonderte Baustraße direkt von der Landesstraße 2 dort hinein führen. Davon sind die Investoren aber wieder abgerückt, weil diese Verbindung technisch sehr aufwendig und teuer ist. Sie müsste die drei Wasserläufe queren, die in dem Baugebiet geplant sind. Zudem würde diese Baustraße neun der etwa 50  Grundstücke für längere Zeit blockieren. „Von der Logistik ist das einfach nicht machbar“, sagte Detlef Hagen vom Oldenburger Projektentwickler Antharis.

Stattdessen wollen die Investoren beider Baugebiete, die Firmen Tell Bau aus Norden und J. u. H. van der Linde – auf eigene Kosten die Straße Zum Bind erneuern, verstärken und verbreitern, so dass sie auch für den Schwerlastverkehr genutzt werden kann. Es soll auch ein abgetrennter Fußgängerweg angelegt werden, der Sicherheit für Mädchen und Jungen der Grundschule Petkum bringen soll. Kosten für die Anwohner sollen nicht entstehen.

Die meisten der rund 50  Besucher der Versammlung – überwiegend Anwohner der Straße Zum Bind und angrenzender Straßen – sprachen sich gegen diese Lösung aus. Sie befürchten Probleme mit dem Verkehr, der Entwässerung sowie Gefahren für Kinder. Die Kritiker glauben zudem, dass Fehler gemacht wurden. „Es muss doch von Anfang an klar gewesen sein, dass die Baustraße nicht möglich ist“, sagte einer.

Das letzte Wort in dieser Frage ist noch nicht gesprochen. Die Entscheidung muss der Rat treffen. Die Bebauungsplanverfahren für beide Gebiete laufen noch.

Einige Teilnehmer äußerten aber auch grundsätzliche Bedenken gegen die Baugebiete und erhoben teilwbürger zum bindeise schwere Vorwürfe gegen die Investoren. Auch von Lügen und der Vortäuschung falscher Tatsachen war die Rede. Den Bauwilligen werde nicht gesagt, welche Kosten tatsächlich auf sie zukommen, lautete ein Kritikpunkt. Es handele sich um ein sehr feuchtes Gebiet mit weichen und sulfatsaurem Boden, der bis zu einer Tiefe von 1,50  Meter ausgetauscht werden müsse. Darüber hinaus müsse sehr tief gerammt werden, so Kritiker. Sie halten auch Grundstückspreise von bis zu 150 Euro pro Quadratmeter für zu hoch. „Das ist Luxus und hat mit Petkum nichts zu tun“, schimpfte ein Bewohner. Das Ziel, Bauland für junge Familien zu schaffen, werde damit verfehlt.

Dem widersprachen Stadtbaurat Andreas Docter sowie die Investoren. Der Chef von J. u. H. van der Linde, Udo Fuhrmann, verwahrte sich dagegen, der Lüge bezichtigt zu werden. Er appellierte an die Kritiker, „sachlich, vernünftig und fair“ zu bleiben. Seinem Unternehmen gehe es in dem Baugebiet neben dem Sportplatz darum, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Der Makler Walter Mielke, der für Tell-Bau den Verkauf der Grundstücke im Baugebiet an der Straße zum Bind vermittelt, sagte, dass die Nachfrage „sehr hoch“ sei. Unter den Interessenten seien auch viele junge Familien. „Die Begeisterung ist riesengroß“, so Mielke.
                                                                                                                                                                                                                    
                              Viele der etwa 50 Teilnehmer der Informationsveranstaltung sehen den Bauverkehr über die Straße Zum Bind skeptisch. Bild: Müller