Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

10.02.2018 von Freddy Narewski

Notwendiges Übel - oder der große Coup

Emder Zeitung vom Samstag, 10. Februar 2018, Seite 7

Die Bewertung des künftigen ÖPNV-Konzeptes ist weiter zweigeteilt / Information und Aufklärung gefordert

Von Stephanie Schuurman s 0 49 21 / 89 00-403

Emden. Die Kuh ist erst einmal vom Eis, heißt: das neue Verkehrskonzept kann wie lange geplant umgesetzt werden. Dennoch gehen die Meinungen darüber weiter auseinander. Das wurde am Donnerstag im Stadtentwicklungsausschuss noch einmal ganz deutlich. Dort hatte, wie berichtet, die Dreiergruppe aus GfE, CDU und FDP einen Antrag auf Aufhebung des neuen Verkehrskonzepts samt neuen Busfahrplan nur zurückgezogen, weil er zu erheblichen rechtlichen Verwerfungen geführt hätte.

„Jetzt ist die letzte Hürde genommen und wir können loslegen”, sagte Stadtverkehrschef Temmo Poppenga, der nach massiver Kritik aus der Politik erstmals öffentlich im Ausschuss Details des Busfahrplans nannte. Insbesondere das Verwirrspiel um Anrufbusse und Anruftaxis versuchte er aufzuklären und damit einen Gegenbeweis für die Behauptung zu liefern, dass die Randbezirke künftig vom Liniennetz abgehängt werden.

Tatsächlich würden sogar weitere Orte mit aufgenommen. Wybelsum ist aktuell überhaupt nicht mit dem Stadtbus zu erreichen. Künftig aber über eine neue Linie, die mit Twixlum verbunden ist. Allerdings muss man dort auf den Minibus oder Sprinter umsteigen. Dasselbe gilt für die Fahrt bis nach Petkum. Am Freibad geht es aus dem Hauptbus in den kleineren Bus. Will man aus Petkum in die Stadt, muss man eine halbe Stunde zuvor anrufen, um von der Haltestelle dort, in Widdelswehr oder Jarßum abgeholt zu werden. Das sei der neue Bedarfsverkehr, der allerdings nicht mit dem Sammeltaxi vergleichbar sei. Das holt oder setzt die Fahrgäste an der Haustür ab. Künftig gilt wieder die Haltestelle, um Kosten und Kilometer zu sparen. Und nur so sei der normale Fahrpreis von 1,80 Euro zu halten.

Darüber hinaus gilt eine neue Tarifstruktur mit Lockangeboten, die die Emder vom Individualverkehr in den Bus bringen sollen. Unter anderem kostet die Einzelfahrt mit der Emden-Karte nur noch 1,40 Euro statt 1,60, bar 1,80 Euro. Es soll ein „Dat Alltied-Abo” für 25 Euro im Monat geben, das auch auf andere Personen übertragbar ist. „Ich hoffe, dass das aufgrund des neuen Streckennetzes und der neuen Tarife gut angenommen wird”, sagte Poppenga. „Wenn wir aber erkennen, dass die kleinen Busse nicht mehr ausreichen, werden wir reagieren.” Er kündigte eine große Werbekampagne kurz vor dem Start der Testphase ab dem 15. Mai an. Im vhs-Forum, mit Bussen im Stadtgarten, auf Flyern und anderen Printmedien versprach der Stadtverkehrchef ausreichende Aufklärung.

Die war anlässlich des jüngsten Disputs um das Verkehrskonzepts auch von vielen Seiten dingend angemahnt worden. SPD-Ratsherr Gregor Strelow sagte am Donnerstag an Poppenga gerichtet, er habe sich ein besseres Kommunikationskonzept gewünscht. „Die Stadtteile sind nicht abgehängt, das ist falsch und muss deutlich werden.”

Stadtwerkechef Manfred Ackermann pries die „Kept'n-App” an, in der für den Busverkehr auch eine Bezahlfunktion eingerichtet werden soll. Man wolle Innovation in den ÖPNV bringen und ihn bürgerfreundlicher gestalten. Außerdem werde nun eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit dem passenden Alternativantrieb wie E-Mobilität inklusive Infrastruktur befassen werde.

Allen Argumenten zum Trotz gibt es weiterhin Kritik. CDU-Ratsherr Herbert Buisker sagte im Ausschuss, dass „die Schwächen des Fahrplans bestehen bleiben”. Er fragte nach einem Plan B. FDP-Fraktionschef Erich Bolinius, der nur „schweren Herzens” den Antrag auf
buskonzept 10-02-2018Einstellung des Konzepts zurückgenommen hatte, sagte gegenüber der EZ: „Ich bleibe dabei: die Menschen in den Vororten werden nach Einführung des neuen Fahrplans ein Stück Lebensqualität verlieren.” Das neue Konzept sei ein Fehler von SPD und Grünen (die es mit den Gegenstimmen von FDP und CDU im alten Rat beschlossen hatten).Dem und anderen grundlosen Gestaltungsabsichten widersprach letztlich Andreas Docter. „Die EU-Rahmenrichtlinien sind Auslöser aller Diskussion”, erklärte der Stadtbaurat. Es gebe den gewollten ÖPNV mit eigener Tochter, den Stadtwerken, nur unter diesen Bedingungen: 600 000 Kilometer jährliche Fahrleistung, 23 Fahrzeuge, ein Drittel Übernahme der Kosten. Bei freier Kilometer-Zahl und freier Ausschreibung hätte die Stadttochter zwei Drittel der Kosten übernehmen müssen. „Diese Grenze ist der einzig wahre Grund. Wir mussten reduzieren und dabei möglichst flexibel bleiben”, sagte Docter.

Zum Vergleich: im aktuellen Fahrplan wird die Kilometergrenze deutlich überschritten (680 000) mit zu vielen Fahrzeugen (27).