Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

16.04.2018 von Freddy Narewski

Zwischen Skepsis, Freude und vielen offenen Fragen

Ostfriesen Zeitung Montag, 16. April 2018, Seite 12, Emden

Von Nina Harms

Gesundheit Emder Ratsfraktionen sehen die vorgestellten Pläne für eine Regionalklinik mit gemischten Gefühlen

Alle wollen nun zügig in die Beratungen einsteigen. Maria Winter (SPD) erwägt, die favorisierte Variante in der Partei zu diskutieren.


Emden
- Die Pläne für den Bau einer Regionalklinik in Georgsheil, die die Geschäftsführung der Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden am Freitag dem Emder Rat sowie dem Auricher Kreistag in einer nicht öffentlichen Sitzung vorgestellt hatte (die OZ berichtete), stoßen bei den Emder Ratsfraktionen auf ein geteiltes Echo. Skepsis klang am Wochenende durch, aber auch Optimismus, dass Emden offenbar eine „zweite Chance“ bekommt, wie der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Bongartz auf Nachfrage sagte. Fest stand für alle, dass man die neue Variante erst einmal „sacken lassen“ und in den Fraktionen ausführlich beraten müsse. Damit wolle man zügig beginnen, hieß es übereinstimmend.

Gefragte Ansprechpartner werden dabei die Geschäftsführer Claus Eppmann und Dr. Astrid Gesang sowie der Betriebs- und Aufsichtsrat sein. Denn noch sind viele Fragen offen. Jochen Eichhorn (GfE) etwa hat bei den vorgestellten Zahlen „kein gutes Gefühl“, wie er am Sonnabendabend sagte. „Die Zahlen haben mich irritiert, und die Antworten auf meine Fragen haben mich nicht zufriedengestellt“, so der Fraktionsvorsitzende der Wählergemeinschaft. „Es ist unklar, wie sich das alles zusammensetzt.“

Dass das Konzept nicht das gewesen sei, was er erwartet habe, machte Erich Bolinius (FDP) klar. Er sehe das Vorhaben für Emden eher kritisch. Man müsse nun alles einmal durchspielen, bevor man zu einem aussagekräftigen Ergebnis kommen könne. „Das muss alles wohlüberlegt sein.“ Deshalb glaubt Bolinius auch nicht, dass eine Entscheidung darüber am 8. Mai im Emder Rat fallen kann. Das sei „viel zu früh“, wie er sagte.

Der Meinung schloss sich Maria Winter (SPD) an. Am liebsten würde sie das Thema in der Partei diskutieren und die Entscheidung damit „auf breitere Füße“ stellen. Von der vorgestellten Variante sei sie überrascht worden – wenn auch positiv. „Es spiegelt das Ergebnis des Bürgerentscheids wider.“

Ihr erster Eindruck sei, dass Emden durch das Vorhaben ins Hintertreffen geraten könnte. Stationen sollen abgezogen werden, was eine geringere Bettenzahl zur Folge hätte. Zudem gebe es Abteilungen dann sowohl in Emden als auch in der angedachten Regionalklinik. „Die Gefahr, dass Patienten lieber in die neue Klinik gehen, ist groß“, glaubt die Sozialdemokratin. Das hätte finanzielle Auswirkungen für die Emder Klinik, sodass die Pläne insgesamt für sie „nicht befriedigend“ seien. Unstrittig sei für sie eine Kooperation der Kliniken.

Zustimmung in dem Punkt erhielt Winter von Bernd Renken. „In einem Konkurrenzkampf hätte Aurich wohl die besseren Karten“, mutmaßte der Fraktionsvorsitzende der Grünen. „Die Zusammenarbeit ist richtig. Es ist eine existenzielle Frage für Emden.“ Probleme sieht Renken allerdings vor allem noch bei der Schwerpunktbildung in den einzelnen Kliniken. Dieser Punkt müsse intensiv beraten, Einzelheiten müssten hinterfragt werden. Eine „Zentralklinik durch die Hintertür“ ist die Lösung für Renken im Übrigen nicht. „Die Auricher haben durch den Bürgerentscheid alle Möglichkeiten.“

Vergleichsweise deutliche Worte für das Projekt kamen am Sonnabend von Helmut Bongartz (CDU). „Die für mich entscheidende Botschaft war, dass an eine Regionalklinik jederzeit angebaut werden kann“, sagte er. Er glaube nicht, dass Emden durch das Vorhaben das Nachsehen habe, werde es denn so umgesetzt. Abschließend beurteilen wolle aber auch er das Projekt erst, wenn weitere Informationen dazu vorlägen, so Bongartz.

Für ihn war am Sonnabend ein Aspekt wichtig: „Wir müssen uns klarmachen, was wir wollen, und klare Verhältnisse schaffen.“ Das Klinikpersonal müsse erkennen, wohin der Weg führe. Dass er den Weg einer gemeinsamen Klinik mit Aurich mitgehen will, daran ließ Bongartz kaum Zweifel: „Entweder machen wir mit, oder wir sind die Loser von Ostfriesland.“

Die Stadt Emden und der Landkreis Aurich wollten ursprünglich eine Zentralklinik in Georgsheil bauen. Dafür sollten die Ubbo-Emmius-Klinik Aurich/Norden und das Klinikum Emden geschlossen werden. Dies wurde im Juni 2017 durch einen Bürgerentscheid verhindert. In Emden stimmte die Mehrheit für den Erhalt des Klinikums. Beide Häuser schreiben seit Jahren rote Zahlen.