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16.04.2018 von Freddy Narewski

Zu früh gefreut: Grabsuche von Adolf von Nassau geht weiter

Ostfriesen Zeitung, Montag, 16. April 2018, Seite 13 Emden

Von Martin Alberts

Forschung Nachricht über ergebnislose Untersuchung hatte kurzzeitig für Freude in Emden gesorgt

Seit Jahren streiten Wissenschaftler darüber, ob der niederländische Graf Adolf von Nassau in Emden oder in Oldenburg bestattet wurde. Beweise konnte bisher keine der beiden Seiten liefern.


Emden/Oldenburg
- Wo wurde der niederländische Volksheld Adolf von Nassau bestattet? Eine Antwort für diese historische Frage gibt es bislang nicht. Dennoch hatten Nachrichten über Untersuchungen in Oldenburg nun kurzzeitig für Freude in Emden gesorgt: Kürzlich schrieb Erich Bolinius, FDP-Fraktionschef im Emder Rat: „Jetzt herrscht Gewissheit“ – und zwar darüber, dass der 1568 verstorbene Graf (siehe Infokasten) in der Großen Kirche in Emden begraben worden sei.

Schon vor Jahren hatte sich die FDP dafür starkgemacht, dass an dem Gebäude, in dem heute die Johannes-a-Lasco-Bibliothek untergebracht ist, eine Gedenktafel für Adolf von Nassau angebracht wird. Tatsächlich ist aber weiterhin unklar, wo der Graf seine letzte Ruhe gefunden hat. Adolf von Nassau soll nach seinem Tod auf dem Schlachtfeld in eine nahe gelegene Stadt gebracht worden sein. Eine Theorie, die Dr.  Klaas-Dieter Voß von der A-Lasco-Bibliothek vertritt, besagt: Er wurde in der Großen Kirche beigesetzt. „Es ist eine Hypothese“ – also eine unbewiesene Annahme, schreibt hingegen Lammert Doedens.

Der Groninger Historiker vermutet die Grabstätte Adolf von Nassaus im Heizungskeller der Lambertikirche in Oldenburg, wo er und Pastor Dr.  Ralph Hennings vor zwei Jahren die sterblichen Überreste mehrerer Menschen in einem Sammelsarg entdeckt hatten. Zuletzt hatten Doedens und Hennings mithilfe eines DNS-Abgleichs versucht, eine der Leichen aus dem Keller als Adolf von Nassau zu identifizieren.

Diese Untersuchung sei nun allerdings ohne Ergebnis abgeschlossen worden, teilte Dr.  Rolf Uphoff, der Leiter der Emder Stadtarchivs, der FDP-Fraktion als Antwort auf eine Anfrage an die Stadtverwaltung mit. „So bleibt es bei dem Befund von Dr.  Klaas-Dieter Voß, wonach Adolf von Nassau in der Großen Kirche zu Emden seine letzte Ruhe fand“, schrieb Uphoff – und löste bei Fraktionschef Bolinius damit zunächst große Freude aus. Der Anbringung einer Gedenktafel an der A-Lasco-Bibliothek stehe nun nichts mehr im Wege, befand der Ratsherr.

Doch die Beteiligten in Emden hatten diese Rechnung ohne die Konkurrenz aus Oldenburg gemacht: Doedens reagierte auf einen Zeitungsbericht, in dem die Große Kirche als Ruhestätte Adolf von Nassaus dargestellt worden war. Es sei in keiner Weise bewiesen, dass der niederländische Volksheld tatsächlich in Emden beigesetzt wurde, stellte der Historiker klar.

Zudem haben Doedens und Hennings die Hoffnung, Adolf von Nassaus Überreste in Oldenburg zu finden, noch nicht aufgegeben. Bisher hatten sie vergeblich versucht, in der Gruft des Siegener Schlosses eine DNS-Probe von einem Neffen Adolf von Nassaus zu gewinnen, um sie mit den Überresten aus der Lambertikirche zu vergleichen (die OZ berichtete). Derzeit werde jedoch nicht nach weiteren Verwandten gesucht, um eine verwertbare DNS-Probe zu erhalten, teilte Hennings der OZ mit.

Stattdessen werde momentan an der Universität Mannheim eine Isotopenanalyse der in Oldenburg gefundenen Knochen vorgenommen: Hierdurch könne festgestellt werden, ob der Mann, bei dem es sich um Adolf von Nassaus handeln könnte, in Oldenburg aufgewachsen sei oder nicht. „Wenn dieser Mensch nicht in Oldenburg aufgewachsen ist, ist das ein sehr deutliches Indiz dafür, dass er nicht dem gräflichen Haus Oldenburg angehört hat“, so Hennings. Auf die Suche nach Vergleichs-DNS wolle man sich erst wieder begeben, wenn ein Ergebnis aus Mannheim vorliege.

Solange werden sich auch diejenigen gedulden müssen, die gerne eine Gedenktafel für Adolf von Nassau in Emden anbringen würden. Der Rat hatte im Jahr 2012 hierfür bereits 1000  Euro bereitgestellt – und auch einen Text für die Tafel gibt es bereits.

Im Mai 1568 war Adolf von Nassau zu Beginn des 80-jährigen Krieges als Befehlshaber an der Schlacht von Heiligerlee beteiligt. Gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig führte er die niederländischen Rebellen in den Kampf gegen die Spanier. Adolf fiel, woraufhin Ludwig seinen Leichnam vom Schlachtfeld nahe dem heutigen Winschoten (Provinz Groningen) für ein Begräbnis in eine nahegelegene Stadt brachte.

oznassau

In der Herrengruft der Großen Kirche – im Bild das Grabmal von EnnoII. – wurden einst die ostfriesischen Grafen zur Ruhe gebettet. In der Kirche könnte auch Adolf von Nassau begraben worden sein.Archivbild: Alberts