Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

01.05.2018 von Freddy Narewski

FDP legt Parteiarbeit in junge Hände

Emder Zeitung vom Montag, 30. April 2018, Seite 3

Ein neues Vorstandsmitglied ist erst seit einem Monat Mitglied bei den Liberalen / Nur Hillgriet Eilers bleibt mit an der Spitze

Von Ute Lipperheide s 0 49 21 / 89 00-416

Emden. 42 Jahre sind genug, aber noch nicht so ganz: Franz Melles gibt den Vorsitz der Emder Liberalen ab und die Marschrichtung vor:
„Wir wollen und wir müssen uns verjüngen. Es ist richtig und wichtig, wenn Dinge auch einmal anders gesehen werden und nicht alles so
gemacht wird, wie immer.” Mit diesem Willen zur Erneuerung trifft Melles den Nerv der 21 von 57 Emder FDP-Mitgliedern, die sich im etwas unterkühlten Trauzimmer des Pelzerhauses treffen. Die „junge Riege” sitzt nebeneinander: der Seezfdp30042018hasselderlbstständige Nico Schreitling, mit 26 der Jüngste, der in den inneren Vorstandszirkel als Schriftführer gewählt wird; VW-Mitarbeiter Henning Meyer (33), der stellvertretender Vorsitzender wird; Bankkaufmann Wilko Düselder (38), der den Schatzmeisterposten übernimmt.

Schon ganz nah beim alten Vorstand platziert sich Versicherungsmakler Albert Ammermann, vor allem auch als stellvertretender Kickers-Vorsitzender bekannt. Den Platz direkt neben der Landtagsabgeordneten, Ratsfrau und FDP-Bezirksvorsitzenden Hillgriet Eilers hatte Melles ausgesucht. So sicher ist sich der alte Vorstand, dass die Mitglieder seinem Vorschlag, Ammermann zum neuen Vorsitzenden zu wählen, folgen. Das tun sie auch. Mit 19 Ja-Stimmen kann jeder der vorgeschlagenen Kandidaten rechnen. Gegenvorschläge bleiben aus.
Nur Melles schafft es, als er sich als Kreisgeschäftsführer anbietet („weil ich noch, solange ihr es wollt, beraten will”), alle 21 Stimmen auf sich zu vereinigen. Mit über 40 Jahren Mitgliedschaft in der FDP gehört er, neben dem langjährigen Fraktionsvorsitzenden Erich Bolinius, zum viel zitierten „Urgestein”. Sein Nachfolger Ammermann ist dagegen erst zwei Jahren, Meyer seit einem Jahr und Schreitling gerade mal seit einem Monat in der Partei. „So muss das sein, wir brauchen junge Leute”, sagt der ehemalige Präsident der Ostfriesischen Handwerkskammer, Horst Amstätter. Dass unter den Jungen keine Frau ist, kommentiert niemand.

Hillgriet Eilers bleibt als einzige im neuen Vorstand. Sie war und ist Parteivize. Eilers berichtet kurz von der Landtagsarbeit, regt neue Formate für Versammlungen an und macht dabei nicht den Eindruck, sich aus der Parteiarbeit zurückziehen zu wollen.

Auch Erich Bolinius zeigt keine Müdigkeit, als er die geleistete und bevorstehende Arbeit der Fraktion darstellt. Dabei gab es kurz zuvor ein Lob von Melles, das durchaus als inszenierte Vorverabschiedung hätte gewertet werden können: „Erich Bolinius, unser Fraktionsvorsitzender, ist 24 Stunden im Einsatz. Auch er wird irgendwann kürzertreten. Wir und die Emder haben Dir viel zu verdanken.”

Doch solche Sätze werden nicht weiter erörtert. Melles macht aber deutlich, dass er persönlich mit seinem Rückzug keine Probleme hätte: „Jetzt mache ich wieder das, was ich schon 39 Jahre gemacht habe, nämlich Kreisgeschäftsführer, aber ich klebe überhaupt nicht an diesem Amt.”



EZ-Kommentar von Ute Lipperheide

Durchhalten bei der FDP ist jetzt gefragt

Ein radikaler Generationenwechsel kann aber bei einer Partei nicht erstrebenswert sein.

Mutig sind die Emder Liberalen. Sie haben ihren Kreisparteivorstand extrem verjüngt.
Damit hat die FDP das getan, was an
ezfdp30042018hasselderdere nur wollen oder mit Lippenbekenntnissen fordern. Denn eines ist klar: So einfach ist es nicht, Jüngere für Parteipolitik zu begeistern und auf Dauer zu motivieren.

Nicht immer heißt jung auch gleichzeitig besser, innovativer und engagierter. Vor allem benötigen die, die solche Aufgaben wahrnehmen, Durchhaltevermögen. Dass dies nicht jedermanns Sache ist, zeigen viele vakante Ämter in Vereinsvorständen.

Doch das ist zum Teil hausgemacht. Oft arbeitet
ein Vorstandsteam lange als Einheit zusammen. Bei einem Wechsel muss wieder ganz von vorne aufgebaut werden. Das macht es schwierig.

Ein radikaler Generationenwechsel kann bei einer Partei nicht erstrebenswert sein, schließlich muss ein Vorstand alle Mitglieder repräsentieren, also generationsübergreifend besetzt sein. Die Alten nur auf die Ersatzbank zu setzen, kann kein gutes Rezept sein. Aber das hat die Emder FDP nicht getan, denn die, die die Erneuerung forcierten, sind erfahren genug, zu wissen, dass ein tiefer Schnitt selten schmerzlos ist.