Freie Demokraten - Kreisverband der FDP Emden
Kreisverband der FDP
in der Seehafenstadt Emden

23.03.2017 von Freddy Narewski

Rest-Hoffnung auf Not-Reparatur

Saisonstart im Mai auf keinen Fall im Borssumer Freibad / Öffnung in diesem Jahr generell in Frage gestellt

 

Von Dirk de Vries

Emden. Viele lose Stellen, Festigkeitsverluste, Hohllagen unter Fliesen, scharfkantige Ecken, ein heraus schauendes Kabel (stromlos) in der Sprunggrube, Wasserverluste im Becken durch Risse, und nun dringt auch noch Regenwasser durch das Dach in der Wärmehalle und im Umkleidebereich: Es war ein düsteres Bild, das der Geschäftsführer der Emder Wirtschaftsbetriebe, Manfred Ackermann, den Mitgliedern des Sportausschusses über den Zustand des Borssumer Freibades „malte“. Von erheblichen Sicherheitsmängeln für Besucher sprach das in dem von den Wirtschaftsbetrieben in Auftrag gegebene Gutachten, aus dem Ackermann vortrug. Damit ist für ihn unmissverständlich klar: „Ich werde das Bad nicht öffnen, wenn Verletzungsgefahr für die Besucher besteht.“

Und auch die Zahlen, von rund 600 000 Euro für eine Sanierung ist die Rede, ließen die gerade erst „eingeweihten“ Ausschussmitglieder erst einmal verstummen. Das Borssumer Bad gehöre zur Lebensqualität der Einwohner dazu, sagte dann Erich Bolinius. „Für mich und meine FDP-Fraktion kommt eine Schließung nicht in Frage.“ Darin waren sich auch alle über die Parteigrenzen hinweg einig. Verwunderlich sei allerdings schon, dass der Missstand so weit kommen könne. „Das passiert doch nicht über Nacht“, so Bolinius.

Einig waren sich zudem auch alle Ausschussmitglieder, dass es eine Möglichkeit geben muss, die gravierendsten Mängel zu beseitigen, für die Sicherheit der Besucher zu sorgen und wenigstens den Badebetrieb zu gewährleisten. „Vielleicht bekommen wir dann eine Sanierung nach der Saison hin“, sagte Matthias Harms (SPD).

Etwas verwundert reagierten Stadtkämmerer Horst Jahnke und auch Ackermann über Aussagen, das alles habe man bis gerade eben nicht gewusst. „Schon der Vorgänger von Herrn Ackermann hat vor Jahren erklärt, wo das Ganze hinlaufen wird, und der sprach von rund 1,5 Millionen Euro, um das Bad auch attraktiver zu machen“, sagte Jahnke. Außerdem seien alle Parteien im Aufsichtsrat der Wirtschaftsbetriebe vertreten. Da könne jetzt doch keiner sagen, er sei nicht informiert gewesen. „Weil wir auch in den Jahren vorher wenig Geld hatten, haben wir geflickt, geflickt und nochmal geflickt.“ Das gehe aber nun nicht mehr. „Für eine Sanierung, die ja noch keine Attraktivitätssteigerung bringt, haben wir das Geld nicht.“ Der Rat müsse entscheiden, wo das Geld dann herkommen soll, so Jahnke.

„Wir müssen dort so schnell wie möglich eine Lösung finden, auch im Interesse des Sports“, sagte der Vorsitzende des Stadtsportbundes, Hans-Jürgen Wehmhörner. „Mir ist dieses Gutachten erst seit einer halben Stunde bekannt, da kann ich doch noch nicht sagen, wo wir das Geld für eine Sanierung herbekommen“, ergänzte er an die Adresse von Jahnke. Der habe festgestellt, dass die Stadt bei dem Defizit praktisch sieben Euro pro Badbesucher dazugebe. „Dann wären wir bei 25 Skatern bei 5000 Euro pro Skater“, ergänzte Wehmhörner in Anspielung auf die 150 000 Euro an, die der Rat für eine geplante Skaterbahn in den Haushalt eingestellt hat. Jahnke erwiderte daraufhin, vorausgesetzt, der Rat beschließe, das Geld für den Skaterpark jetzt doch in das Bad zu stecken, ginge das erst, wenn der Haushalt der Stadt genehmigt ist, also frühestens im Juni. „Eine Öffnung in diesem Jahr sehe ich nicht.“

Der Vorsitzende des SV Neptun Emden, Matthias Drüner, sprach nach der Sitzung von einer für den Verein dramatischen Situation. „Wenn wir schwimmerisch das Niveau halten wollen, dann brauchen wir das Training auf der wichtigen Langbahn in Borssum“, sagte er. Gibt es Alternativen? „Die Zusammenarbeit mit der Betriebsleiterin der Friesentherme, Stefanie Müller, klappt sehr gut.“ Doch die jetzt zu erwartenden Trainingsausfälle in Borssum könne die Friesentherme nicht kompensieren.

Drüner schaut aber auch nach vorne. „Es ist für uns als Verein gut, dass alle Parteien an einem Strang ziehen wollen.“ Der sichere Betrieb sei auch für die Schwimmer des SV Neptun wichtig, und ein Jahr könne der Verein einen Ausfall in Borssum mehr schlecht als recht auffangen. „Was jetzt wirklich gut wäre, ist, vielleicht doch noch die Öffnung hinzubekommen und dann aber auch schon ein Konzept für die Zukunft zu haben.“ Eine Aussage, die zu der von Jahnke passte. Er forderte von allen Ratsmitgliedern, sich zu überlegen, wie strategisch mit dem Borssumer Bad umgegangen werden soll. „Wir brauchen ein detailliertes Sanierungskonzept.“

Einen kleinen Lichtblick gab es im Gutachten aber doch noch. „Die Technik ist einwandfrei und die Duschen und Toiletten sind 2012 komplett saniert worden, also in einem guten Zustand“, sagte Ackermann. Aber das reiche eben nicht für einen sicheren Badebetrieb. Aus dem Gutachten gehe auch hervor, dass Maßnahmen für die nächsten fünf Jahre überlegt werden müssen, und die Risikogefährdung muss minimiert werden. „So ist das Bad nicht mehr nutzbar, sagt das Gutachten aus.“ Wenn jetzt mit der Sanierung gestartet wird, wäre man in rund 12 Wochen durch. Bis Mitte Mai, dem „normalen“ Öffnungstermin des Borssumer Freibades, sind es nur noch sieben Wochen.

EZ-Kommentar

Dilemma

Thema: Borssumer Freibad

Eine böse Überraschung für die Emder Freibadfreunde und vor allem für die Schwimmsportler: Das Borssumer Freibad ist so dringend überholungsbedürftig, dass der normale Badebetrieb dort derzeit nicht denkbar ist (Seite 1 und 17). Das ist eine maximale Hiobsbotschaft, denn Geld zum fixen Beheben der Mängel ist nicht da. Geschweige denn, um dem Bad eine ebenfalls dringend notwendige Gesamt-Verjüngungskur zu verpassen. Denn dass die Besucherzahlen dort in den letzten Jahren nicht gerade wuchsen, hat auch mit der verblühenden Attraktivität zu tun.

Es ist müßig, jetzt zu streiten, ob man das alles nicht viel eher hätte ahnen und angehen müssen. Ob es wirklich eine Bäder-Politik gegeben hat, hinter der so etwas wie Weitblick steht. Jetzt muss schnell entschieden werden, was zu tun ist. Eine schnelle Notreparatur und doch noch etwas Badebetrieb in diesem Jahr wäre wünschenswert - aber nur mit langfristigem Konzept für das Bad. Weiterwursteln von Jahr zu Jahr geht nicht mehr. Und die Alternative Deckel drauf und Tür zu stünde Emden bei aller Geldknappheit gar nicht gut zu Gesicht.


Emder Zeitung vom Donnerstag, 23. März 2017, Seite 22